Auslandspraktikum in England - Daily Echo


Mitte des Wintersemesters 2001 machte ich mir Gedanken über meine vorlesungsfreie Zeit. Ich hatte zwei sich mehr oder weniger ausschliessenden Prioritäten: Zum Einen wollte ich ein anderes Land, eine andere Kultur, eine andere Sprache erleben, um aus dem deutschen Alltag zu kommen. Auf der anderen Seite wollte ich Medienerfahrungen gewinnen, denn im Bereich des Journalismus ist die Praxis, neben dem Studium, von elementarer Bedeutung. Also entschied ich mich fuer das Naheliegendste: beides miteinander verbinden. Da ich für ein Praktikum die Landessprache beherrschen muss, entschied ich mich für England.

Somit suchte ich im Internet die Adressen von verschiedenen englischen Zeitungen heraus und kontaktierte sie mit einer formlosen email. Insgesamt schrieb ich zehn Zeitungen an und wand mich direkt an die Sportredaktionen, da dort mein größtes Interesse liegt.

Nach ungefähr zwei Wochen erhielt ich eine email des Sportchefs vom Daily Echo. Darin erklaerte er mir, dass die Möglickeit bestehe, es aber ein unentgeldliches Praktikum sein muss.

Nun begann meine Planung: Ich kalkulierte die ungefähren Kosten und informierte mich im Internet über die Zeitung.

Es folgten weitere E-Mails und Telefonate mit dem Sports Editor und wir einigten uns auf ein Praktikum im März 2002. Soweit war die grobe Organisation ereldigt.


Anfang dieses Jahres dann begann ich mich im Internet nach einer Wohnung "umzusehen". Dies gestaltete sich als sehr schwierig, da die meisten Vermieter keine Zimmer für solch einen kurzen Zeitraum vergeben. Mein "Projekt" schien ernsthaft gefaehrdet, da ein "Bed and Breakfast"- Zimmer, als letzte Option, umgerechnet 30 Euro pro Nacht kosten sollte.Dann jedoch fand ich per Zufall eine Internetseite fuer WG-Zimmer und organsierte ein Zimmer das 350 Euro pro Monat kostete.

Die Reise verlief prächtig: mit "Ryanair", der günstigen Gesellschaft, flog ich von Frankfurt/Hahn nach Bournemouth für nur 18 Euro! Von dort nahm ich den Bus ins 45 Minuten entfernte Southampton und ein Taxi brachte mich in meine provisorische Bleibe.An meinem ersten Tag dann erwartete mich erstmal eine optische überraschung: in englischen Grossraumbüros ist es gang und gaebe, dass man ein Hemd mit Schlips traegt. So musste ich mich anfangs mit der mir von deutschen Zeitungen ungewohnten Kleiderordnung arangieren.

Im Grundsatz ist der Arbeitsalltag des "Daily Echo" mit dem einer deutschen Tageszeitung vergleichbar. Man verteilt morgens Themen und dann beginnt jeder mit seiner Arbeit: recherchieren, telefonieren, zu Terminen fahren, schreiben, etc.

Der Daily Echo ist ein Tabloid, eine Boulevardzeitung. Hier war es interessant zu sehen, dass potentielle Kriminelle oder ähnliche Bösewichte hier in England namentlich in der Zeitung genannt werden. Da findet man also auf Seite 1 ein Foto eines Gewalttaeters mit seinem vollen Namen daneben.

Am Sports desk speziell durfte ich die Erfahrung machen, ein Spiel der Premier League live von der Pressetribuene zu verfolgen. Und dies geschah nicht nur zum Spass, denn mein sehr engagierter Chef beauftragte mich, einen Bericht über die Unterschiede zu einem deutschen Bundesligaspiel zu schreiben.

In der zweiten Woche bekam ich dann auch ein fuer das ich selbst verantwortlich war: ich sollte eine Story über den lokalen Wasserballverein schreiben. Ich habe dann den Präsidenten angerufen und ihm erstmal von meinem Praktikum erzählt. Er war sehr aufgeschlossen und hat mich zu einem Training seines Vereins eingeladen. Dort habe ich dann informative Gespräche gefuehrt und die Wasserballer standen mir auch helfend zur Seite: sie haben langsam geredet und ihre Namen selbst aufgeschrieben, denn als in der Schule die Aussprache der englischen Buchstaben gelehrt wurde, war ich krank!

Gut an dem Praktikum war der direkte Kontakt mit der Sprache. Zum Einen spricht man mit den Kollegen, zum Anderen sitzt man in einem grossen Büro und somit sind auch logischerweise saemtliche Nebengeräusche von sich unterhaltenden Angestellten in Englisch.

Alle von mir verfassten PR-Mitteilungen sind auch in Englisch geschrieben und somit ist eine tägleiche direkte Auseinandersetzung mit der Sprache garantiert.

Der Kontakt zu den anderen Redakteuren war ausgezeichnet und sie erkundigten sich immer wieder nach meinem Wohlbefinden, was für eine sehr gute Atmosphäre sorgte.

Das Praktikum hat sich für mich in zweierlei Hinsicht voll und ganz gelohnt. Ich konnte einen direkten Einblick in die Arbeitsweise, die Struktur, die Organisation, etc. bei einer ausländischen Zeitung gewinnen. Desweiteren habe ich mein Englisch sehr verbessert, da ich ausschliesslich Englisch gesprochen, geschrieben und gelesen habe.

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