Auslandspraktikum in Deutschland
Erfahrungsbericht einer Polin, die nach Deutschland gekommen ist, um ein Praktikum zu absolvieren und ... geblieben ist!
Es wird oft gesagt, dass jemand, der einmal ins Ausland gegangen ist und Gefallen daran gefunden hat, immer dieses Verlangen verspüren wird, wieder in die Ferne zu ziehen. Die Deutschen haben ein schönes Wort dafür: Fernweh, das im Polnischen kein direktes Äquivalent hat, sondern mit einer ganzen Phrase erklärt werden muss. Vergebt mir bitte diese linguistische Digression, aber ich habe Sprachen studiert und bin deswegen eine begeisterte Wortliebhaberin. Auf jeden Fall konnte ich nach meinem ersten Auslandsaufenthalt nicht mehr lange an einem Ort ruhig sitzen bleiben. Mit 18 kam ich für ein Jahr als Austauschschülerin nach Hamburg, später ging ich als Studentin für ein Semester nach Italien. Kein Wunder also, dass ich einige Zeit nach meiner Rückkehr wieder Lust hatte, ins Ausland zu gehen. Als ich dann im Frühling 2008 ein Plakat von AIESEC sah, das für ein Auslandspraktikum warb, dachte ich nicht lange nach und bewarb mich umgehend.
Bei AIESEC nahm ich an einigen Treffen und einer Vorbereitungskonferenz teil und wurde anschließend in eine interne Datenbank aufgenommen, wo ich nach Praktika suchen, aber auch von Firmen gefunden werden konnte. Auf das Praktikum, das ich dann am Ende machte, kam ich eigentlich durch Zufall. Ich bewarb mich um ein anderes, das aber schon besetzt war, bekam aber von der verantwortlichen Person einen Hinweis auf ein Praktikum, das für mich interessant sein könnte. Das war es in der Tat und ich schickte umgehend meine Bewerbung an die Firma (dabei hätten mir bestimmt die Phrasen für Bewerbung von meinem jetzigen Arbeitgeber sehr geholfen, wenn es sie damals schon gegeben hätte). Einige Tage später hatte ich schon das Vorstellungsgespräch am Telefon. Ich war sehr nervös, aber es lief ganz gut und nach ein paar weiteren Tagen bekam ich die erfreuliche Nachricht, dass ich angenommen worden sei. Das Schicksal wollte, dass ich wieder nach Hamburg komme, denn das Praktikum fand dort statt und das freute mich, obwohl ich bereit gewesen wäre, auch anderswohin zu gehen. Schließlich bietet AIESEC Praktika in 100 Ländern an.
Ich kann AIESEC als Auslandspraktikumsvermittlung nur empfehlen, denn sie kümmerten sich um meine Arbeitserlaubnis und Unterkunft und dank dem interessanten Freizeitangebot lernte ich viele nette junge Leute aus aller Welt kennen. Das Praktikum selbst war für mich ein Volltreffer. Mein Arbeitgeber war (und ist bis heute, wie sich später herausstellte) bab.la, eine Firma, die ein interaktives Sprachportal betreibt. Sie wurde von drei jungen Deutschen gegründet und ist von einer netten Arbeitsatmosphäre und einem motivierenden, selbständigen und kreativen Arbeitsstil geprägt. Die Chefs waren immer sehr hilfsbereit und offen für neue Ideen und pflegten eine sehr direkte Kommunikationsweise, die ich an den Deutschen sehr schätze. Ich bin der Meinung, dass dies insbesondere bei der Arbeit das Leben erleichtert.
Als ich bei bab.la anfing, saßen im Büro neben mir junge Leute aus vielen Ländern der Welt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Am Anfang war ich für die polnische Version des bab.la Portals zuständig: ich übersetzte die Inhalte, arbeitete an den Wörterbüchern, erstellte neue, lustige Sprachtests und Vokabellektionen. Später kamen immer wieder neue, interessante und herausfordernde Projekte dazu, für die ich Verantwortung übernahm. Die Zeit verging sehr schnell und mir war schon traurig zumute, dass mein Sommerpraktikum bald zu Ende gehen und ich wieder an meine Uni in Polen zurückkehren würde. Dann kam ganz überraschend das Angebot von meinen Chefs, als Festangestellte bei der Firma zu bleiben. Nach nicht allzu langem Nachdenken und einer Absprache mit meinen Eltern entschied ich mich, die Stelle anzunehmen. Noch überraschender war die Tatsache, dass es mir gelang, mein Studium in Polen trotzdem fortzusetzen und letztes Jahr meine Magisterprüfung zu bestehen. Das wäre natürlich ohne die Unterstützung und das Verständnis meiner Chefs und Professoren nicht möglich gewesen. Jetzt bin ich also schon seit über zwei Jahren in Hamburg und inzwischen diejenige, die unter anderem die neuen Praktikanten sucht, die Vorstellungsgespräche durchführt und die ausländischen Praktikanten anschließend betreut. Ich habe in den letzten zwei Jahren viel gelernt und viel erlebt und obwohl ich nun schon relativ lange an einem Ort bin und mich manchmal wieder das berühmt-berüchtigte Fernweh packt, reicht mir jetzt oft ein Kurzurlaub in der Ferne, um es wieder zu beruhigen. Immer öfter fange ich an zu denken, dass vielleicht eben Hamburg mein Platz in dieser Welt ist. Das alles wäre allerdings nicht möglich gewesen, hätte ich mich an einem schönen Frühlingstag 2008 nicht dafür entschieden, meinen Lebenslauf um ein Auslandspraktikum zu bereichern.
Asia Rolewicz
Content Managerin bei bab.la GmbH
Kontakt: asia (at) bab.la