Praktisches Semester in Nottingham-England


Infobericht vom Technische Chemie-Praxissemester 2000/2001 an der Nottingham Trent Universität, Clifton Campus

Die Anreise

Es gibt verschiedene Moeglichkeiten, nach Nottingham zu reisen:

Per Bahn: Meistens recht umständlich, zeitaufwendig und in England verhältnismässig teuer.

Per Flieger: Falls man direkt nach Nottingham fliegen möchte, kann man dies von Frankfurt aus mit British Midland tun. Zielflughafen ist dann der East Midlands Airport, der etwa 15km von Clifton entfernt ist. Von dort aus kann man dann per Taxi oder per Bus (Linie Nr.5, kostet zur Zeit 1,20 Pfund) nach Clifton fahren. Ich bin über Weihnachten heimgeflogen und habe fuer den Hin- und Rueckflug etwa 160 Pfund bezahlt. Ausserdem bietet sich die oftmals billigere Möglichkeit an, von Nürnberg, Mänchen oder Frankfurt aus nach London Stansted zu fliegen. Von dort aus fährt man dann am besten mit dem Bus weiter nach Nottingham. (www.gobycoach.com).

Per Auto und Fähre: Hab ich gemacht, weil es doch einige Vorteile hat. Zum einen können recht grosse Gepäckstuecke mitgenommen werden, wie z.B. Bettzeug, HiFi oder Hausrat, zum anderen ist man einfach flexibler, wenn grössere Besorgungen anstehen (Clifton ist etwa 8 km von der City entfernt) oder man mal die Gegend erkunden möchte. Und um an das günstigste Faehrangebot zu gelangen, empfehle ich http://www.faehre-online.de. Fuer 15 Euro werden einem die guenstigsten Faehrverbindungen, z.B. spezielle Angebote von einzelnen Reisebüros in ganz Deutschland, schnell und zuverlaessig zugemailt. Ans "Linksfahren" gewöhnt man sich übrigens auch recht schnell.

Die Unterbringung

Da es für Studenten, die weniger als 9 Monate in Nottingham studieren, nicht möglich ist, in einem von der Uni geleiteten Wohnheim zu wohnen, bekam ich von der englischen Koordinatorin an der NTU, Mrs. Mudd, die Adresse eines Vermieters zugemailt. Diesen habe ich dann angerufen und im Normalfall schickt man diesem eine Anzahlung und er hält einem ein oder mehrere Zimmer zur Auswahl frei. Falls man eine Garage braucht, sollte man dies schon beim ersten Telefonat erwaehnen. Die Thematik mit der Garage sollte man nicht unterschätzen, weil in Nottingham sehr häufig Autos aufgebrochen oder gestohlen werden.

Die Unterbringung sieht dann so aus, dass man sich mit drei oder vier Leuten ein Reihenhaus teilt, d.h. man hat entweder Glück mit seinen Mitbewohnern oder eben nicht. Wie ich oben schon mal kurz erwähnt habe, muss man sich das Bettzeug selbst mitbringen, die übrige Ausstattung ist oft von Haus zu Haus verschieden. In meiner Wohnung waren zum Beispiel Sachen wie Geschirr, Waschmaschine, Mikrowelle, Telefon, Wasserkocher und Backofen schon vorhanden. Die Mietkosten belaufen sich bei mir im Moment auf 152 Pfund plus etwa 20 Pfund fuer Gas und Strom pro Monat, das ist eigentlich noch relativ günstig. Die Zimmer in den Uni-Wohnheimen sind in der Regel etwas teurer , kleiner und auch schlechter ausgestattet.

Die Sache mit dem Geld

Das Wichtigste im Voraus: England ist teuer, wirklich teuer. Das fängt bei den Lebensmitteln an und hört bei Alkohol und Zigaretten auf. Dazu aber später mehr.

  • Traveller's cheques: Kein Problem, in der City gibt es zwei Thomas-Cook-Filialen und jede Bank in Clifton und Nottingham tauscht sie problemlos gegen Bargeld ein. Ausserdem gibt es sogar eine HSBC-Bank direkt auf dem Campus. Wenn man möchte, kann man dort auch ein Konto eröffnen, falls man sich von zuhause Geld überweisen lassen moechte. Da ich aber gehört habe, dass so ne überweisung etwa 30 DM kosten soll, würde ich die ganz normale ec-Karte empfehlen: Da beträgt die Gebuehr fuer die Auszahlung am Automaten im Moment etwa 6,50 DM.

Allgemeine Infos

In dieser Sparte möchte ich in bunter Reihenfolge noch ein paar Infos und Tipps zum Leben in Nottingham unter die Leute bringen:

  • Orientierungstage fuer die internationalen Studenten: Wenn ihr die Möglichkeit habt, nehmt dran teil! Zur Erklärung: Bei den Orientierungstagen (finden direkt vor Semesterbeginn statt) wohnt man kostenlos fünf Tage in einem Wohnheim in der City , Fruehstück und Abendessen gibts auch. Tagsüber werden dann verschiedene Infoveranstaltungen angeboten, abends gehts dann mit der ISS (International Students Society) auf die Piste (Stadtrundführung, Pub-tour, etc.). Und dort hat man dann wirklich die besten Möglichkeiten, neue Bekanntschaften zu schliessen, weil man ja bei der Projektarbeit im Gegensatz zu den anderen Studenten meistens den Grossteil des Tages in einem Labor arbeitet und dort nicht wirklich oft die Gelegenheit hat, andere Studis kennenzulernen.
  • ISS (International Students Society): Die Mitorganisatoren der Orientierungstage und der Kurztrips. Die ISS ist eine Vereinigung von intern. Studenten. Fuer 6 Pfund kann man beitreten und hat auf diesem Wege die Möglichkeit, an verschiedenen Kurztrips nach London (Sa und So, Busfahrt mit üebernachtung 28 Pfund) oder Edinburgh (Fr bis So, Busfahrt mit Uebernachtungen 52 Pfund) teilzunehmen. Ich kann diese Reisen wirklich empfehlen!
  • Die Sprache: Da man sich ja den ganzen Tag in Englisch verständigen muss, verbessert man seine Englischkenntnisse wirklich schnell. Und wem das immer noch nicht genug ist, kann an kostenlosen Sprachkursen der Uni teilnehmen, die aber leider am City-Campus und nicht in Clifton stattfinden.
  • Wetter: Das Wetter ist im Nottinghamer Herbst/Winter so, wie man sich bei uns typisches Aprilwetter vorstellt: Es ist sehr wechselhaft , es kann über Tage hinweg morgens in Stroemen regnen und nachmittags strahlender Sonnenschein sein. Ausserdem ist es im Sommer kaelter und im Winter waermer als bei uns.
  • Die Kosten: Hier ein paar aktuelle Beispiele: Benzin 0,77 Pfund/L, Zigaretten 4,20 Pfund/Packung, Pint Bier im Pub etwa 2 Pfund (ein Pint ist etwas mehr als ein halber Liter), bei den Lebensmitteln ist es nicht ganz so extrem, aber trotzdem immer noch genug.
  • Das englische Essen: ist wirklich nicht so schlecht wie sein Ruf.
  • Einkaufen: In Clifton gibts etwa in der Mitte vom Dorf einen Coop und einen Iceland. Der Coop hat fast alles, ist aber teurer als die anderen Supermaerkte. Dann gibts in Clifton noch nen KwikSave, der ist klein, schlecht sortiert, aber billiger. Ausserdem gibts in Nottingham eine Aldifiliale, der dürfte mit am günstigsten sein, ist aber leider ziemlich weit weg von Clifton und vom Stadtzentrum.
  • Kriminalität: Die Kriminalitaet ist in diesem Teil von England ein sehr grosses Problem. Das beginnt bei der Beschaedigung von öffentlichem Eigentum wie Bushaltestellen und Telefonzellen (das muss hier wirklich sowas wie ein Volkssport sein), und hört irgendwann bei Diebstahl und Einbruch auf.
  • Fahrrad: Wer sich in England ein Fahrrad zulegen moechte, sollte mal beim Cattle Market in der Meadow Lane vorbeischauen. Auf diesem (Floh-)markt findet jeden Samstag um 10 Uhr in einem Auktionshaus eine Versteigerung statt, bei der man sich ein guenstiges Rad ersteigern kann. Ausserdem kann man sich danach auf dem Markt gleich ein neues Fahrradschloss zulegen, was wirklich empfehlenswert ist.
  • Pubs und Nachtleben: Obwohl Nottingham nur 280000 Einwohner hat, besteht eine grosse Auswahl an Pubs und Nightclubs. Ein paar interessante Pubs: "The Red Back Bar" (die billigste Bar in der ganzen Stadt, jeder Drink kostet 1 Pfund), das "Pit and Pendulum" (interessante Aufmachung) und das "Pitcher and Piana" (ehemalige Kirche, recht ungewöhnlich) und last but not least "Ye Olde Trip To Jerusalem" (angeblich ältester urkundlich erwähnter Pub in ganz England). Und noch einige Clubs: Das "Dubble Bubble" (Freitags freier Eintritt für ISS-Mitglieder), das "Ocean" und der "Media Club". Weitere Infos kann man auch unter www.touchnottingham.com abgreifen.
  • Die Engländer: Die Englaender aus der Mitte und dem Norden Englands sind dafür bekannt, dass sie recht gerne trinken und sich recht gerne schlagen. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass am Wochenende vor jedem noch so kleinen Pub zwei Securitymänner postiert sind. Ich für meine Person habe aber bisher noch überhaupt keine schlechten Erfahrungen mit den Engländern gemacht und kann wirklich nichts Negatives berichten.

Zum Schluss noch mein kurzes Fazit

Dieses Praxissemester in England ist in jeder Hinsicht ein voller Erfolg: Ich konnte mein Englisch stark verbessern, die Projektarbeit ist interessant, ich habe etliche nette Leute kennengelernt und habe nebenbei eine Superzeit. Ich kanns also nur weiterempfehlen!

Michael Galle, im Januar 2001 (mgalle@gmx.de)

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