Auslandssemester in Strasbourg
Studienbericht UNIVERSTE ROBERT SCHUMAN - STRASBOURG 3 - INSTITUT UNIVERSITAIRE DE TECHNOLOGIE STRASBOURG SUD (I.U.T. STRASBOURG SUD) - mirko_kupsch@hotmail.com
Zunächst kann ich empfehlen das Heft "Ulysse - Guide pratique de l'etudiant a Strasbourg" zu lesen. Selbstverständlich stehe ich auch persönlich für Auskünfte zur Verfügung.
Allgemein zur I.U.T.: Die I.U.T. STRASBOURG SUD liegt wie der Name schon sagt außerhalb von Straßburg in Illkirch-Graffenstaden. Das sind ca. 6 Km vom Stadtzentrum. Mit der Tram (Straßenbahn) braucht man von dort aus knapp eine halbe Stunde zur Uni. Nur ist das Problem, daß man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht direkt im Stadtzentrum wohnen wird. Zumindest wenn man im Wohnheim wohnen will. Denn direkt im Zentrum gibt es nur ein Wohnheim (Cite Universitaire Gallia) - dort wollen aber alle rein, daher hat man nur geringe Chancen einen Platz zu bekommen. Private Zimmer/Apartments kosten im Schnitt zwischen 450 und 650 Euro. Man kann zwar Wohngeld beantragen (ca. Hälfte der Miete), doch das bekommt man erst im Februar, wenn man es im Oktober gleich beantragt. Außerdem ist immer eine Kaution fällig. Die Höhe beträgt mindestens eine Monatsmiete. Des öfteren kommt noch eine Maklergebühr in derselben Höhe dazu. Das bedeutet, daß man bei einer privaten Unterkunft am Anfang oft schnell über tausend Mark hinlegen muß. Dagegen kosten die Wohnheime nur 205 Euro im Monat. Dort bekommt man zwar nur eine kleine Parzelle (10 qm) mit Waschbeckenzugewiesen, jedoch lernt man hier rasch Leute kennen. Zum Beispiel beim Kochen in der Gemeinschaftsküche oder bei den zahlreichen sportlichen Einrichtungen (Tischtennisplatten, Fitneßraum) oder in den Gemeinschaftsräumen (Videoraum, Bibliothek, Fernsehraum). Man sollte also versuchen, in einem Wohnheim unterzukommen. Dort gibt es zwar keinen Kühlschrank, aber das geht schon irgendwie. Außerdem werden die Zimmer einmal im Monat gereinigt.
Eine Monatskarte (Campuspass) für die öffentlichen Verkehrsmittel kostet 45 Euro. Die Lebensmittel liegen hier knapp ein Drittel über denen bei uns. Aber wenn man ein Fahrzeug hat, kann man in Kehl einkaufen (erste deutsche Stadt gleich hinter der Grenze). Dort kann man auch mit dem Bus und der Monatskarte hinfahren.
Ein fahrbarer Untersatz ist in Straßburg sehr nützlich. Man spart dadurch viel Zeit. Am besten Fahrrad, Moped, Roller oder Motorrad, denn mit dem Auto steht man nur im Stau und es gibt kaum Parkplätze.
Mit der Vergabe von Wohnheimplätzen ist das so ein Problem. Der für Austauschstudenten verantwortliche Prof. M. Knepfler hat sich zumindest bei meiner Kommilitonin und mir nicht darum gekümmert (es bleibt zu hoffen, daß sich nach unserem Appell an ihn etwas ändert). Nach Auskunft des Akademischen Auslandsamtes (Departement des Relationes Internationales) der Universite Robert Schuman hat die I.U.T. STRASBOURG SUD kein eigenes Wohnheimkontingent für Austauschstudenten, so daß man sich wie jeder andere Student bewerben muß.
Die I.U.T. STRASBOURG SUD gehört zwar zur Universite Robert Schuman, ist aber eine Art Fachhochschule innerhalb der Uni. Eine zusätzliche Einschreibung an einer anderen Straßburger Uni ist daher nicht möglich. Wohl aber ist möglich, anderswo einzelne Kurse zu belegen. Das kann ich jedoch nur für meine Verhältnisse mit Sicherheit sagen. Da ich in Jena Jura studiere, hab ich mich an der Universität Robert Schuman für zwei juristische Kurse eingeschrieben. Dafür muß man im Büro Delegation aux Relations Internationales et Europeennes bei Mademoiselle Myriam FORNER lediglich eine Karteikarte mit den gewünschten Kursen ausfüllen.
Man kann aber auch gleich bei Mademoiselle FORNER (nur Jura) beantragen als ERASMUS-assimile aufgenommen zu werden. Es ist dafür ein Empfehlungsschreiben der Heimatuni notwendig und man muß geringe Kosten selbst tragen (ca. 300 Euro). Ein Anspruch auf einen Wohnheimplatz (ohnehin sehr gering bei 3000 Plätzen) entfällt. Sonst hat man die gleichen Rechte.
Für jemanden, der zu Beginn seines Auslandaufenthalts sprachlich noch auf wackligen Beinen steht, ist Strasbourg ideal. Zum einen sprechen hier viele Leute aufgrund der Grenznähe und der Geschichte des Elsaß Deutsch. Auch erinnert der Dialekt der Alteingesessenen mehr an Schwäbisch, als an Französisch. Ferner kann der Leiter des Instituts Prof. Knepfler perfekt Deutsch (er ist der Deutschlehrer hier). Man kann all dies zwar mit der Begründung, man spräche letztendlich nur Deutsch hier, auch als negativ ansehen, das ist aber nicht so. Viele Kommilitoninnen (ich schreibe bewußt in der weiblichen Form, da die meisten meiner Studienkollegen weiblich sind) können zwar Deutsch, überlassen einem aber die Wahl der Sprache. Das bietet den Vorteil, daß man gerade am Anfang nachfragen kann, ob das was man sagt, richtig ist - ganz wie im Französischunterricht. An der Uni allgemein wird nur wenig Deutsch gesprochen. Auch sind die Medien natürlich in der Landessprache. Also es liegt an jedem selbst, wie sich seine Sprachkenntnisse entwickeln.
Kostenlose, allgemeine Sprachkurse für Austauschstudenten gibt es nicht. Es besteht aber die Möglichkeit, sich an der Universite Populaire Europeenne (Volkshochschule) für Kurse einzuschreiben. Dort werden fast alle Sprachen angeboten. Ein Jahressprachkurs mit 2 oder 4 Semesterwochenstunden kostet ca. 170 Euro. Sowohl die UPE, als auch das Institut International d'Etudes Francaises bieten auch Sommersprachkurse an. Das Institut International d'Etudes Francaises (I.I.E.F.) veranstaltet einen Kurs im Juli für 2980 FF (900 Euro). Des weiteren gibt es das Centre de Langues de l'Universite Robert Schuman - 16, rue de Leicester, wo man selbständig mit CD-ROM, Grammatikbüchern, Zeitschriften, Videos usw. arbeiten kann (autodidactique). Außerdem werden dort regelmäßige Treffen (expression orale) angeboten, um Sprechen zu üben.
Zum Studiengang: Die Ausbildung an der I.U.T. ist im allgemeinen sehr praxisbezogen und straff. Wie in der Schule hat man einen fest vorgegebenen Stundenplan zwischen 15 und 30 Semesterwochenstunden. Zu den Kursen besteht Anwesenheitspflicht (es gehen Anwesenheitslisten um). Durch die Einschreibung an der I.U.T. ist man automatisch für alle vom Stundenplan erfaßten Kurse eingeschrieben. Eine Kurswahl ist nicht möglich. Der Studiengang heißt "Information et Documentation d'Entreprise (I.D.E)". Laut Katalog will die I.U.T. ihre Studenten auf dem Feld der Information und Kommunikation darauf vorbereiten, qualifizierte Techniker und Akteure zu werden. Das ganze findet als Spezialjahr statt, daß mit einem Diplom abschließt. Die Prüfungen sind nicht alle am Ende, sondern sofort nachdem die entsprechende Stundenzahl (siehe beigelegter Zettel) erreicht ist, der Kurs also abgeschlossen ist. Die Teilnehmer müssen mindestens ein Vordiplom (oder etwas äquivalentes) haben. Das Kursprogramm sieht wie folgt aus (Originalfassung liegt bei):
Lehreinheit I: Kommunikationswissen
1.1. Theoretische Grundlagen
Theorien der Kommunikation
Soziologie
1.2. Ausdruckstechniken mündlich und schriftlich
Kommunikation schriftlich und mündlich
Techniken zum Verfassen von Presseartikeln
1.3. Sprachen und Zivilisation
Englisch
Spanisch oder Deutsch
Lehreinheit II: Verstehen der Umwelt
2.1. Die zeitgenössische Welt
Aktuelle Tendenzen in den Wissenschaften
Aktuelle Tendenzen in den Künsten
2.2. Verwaltungsumwelt der Wirtschaft und des Rechts
Grundprinzipien des Rechts
Arbeitsrecht
Informationsrecht
Urheberrecht
Verwaltung menschlicher Reserven
Finanzbuchhaltung
2.3. Berufliches Umfeld und Führung von Informationssystemen
Berufliches Umfeld
Führung von Informationssystemen: Führung von Informationen in den
Organisationen, Ausrichtung der Dokumente auf die Verbesserung der
Absatzmöglichkeiten
Strategische überwachung
2.4. Technologisches Umfeld
Informatik und Büro
Netze und Datenübertragung
Audiovisuelle, elektronische Veröffentlichung und Multimedia
Lehreinheit III: Meistern der Methoden und der Berufstechniken
3.1. Bearbeitung von Dokumenten, Informationen und spezifischer Inhalte
Bearbeitung eines Dokumentes
Bearbeitung einer Information
Dokumentarische Analyse
Dokumentarische Synthese
Dokumentarische Sprache
Bearbeitung von spezifischen Inhalten
Audiovisuelle Dokumentation
3.2. Quellen und Dienstleistungen
Kenntnis der Informationsquellen und Informationssuche
Suche im Internet
Spezialsuche in einer bestimmten Bereich (Medizin, Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft und Informationsmarkt)
Produkte und dokumentarische Servicedienste
3.3. Dokumentarische Informatik
Dokumentarische Software
Computerisierung eines Informationssystems
Künstliche Intelligenz und Expertensysteme
Bearbeitung von spezifischen Materialien
Archivierung
Multimediale und audiovisuelle Dokumente
Lehreinheit IV: Tutorenprojekte und und Praktika
Praktikum von 8 Wochen im Sommer
Sonstige erwähnenswerte Dinge
"Reaktionsdauer": Der Uni habe ich mich im Mai vorgestellt und irgendwann im Juni Antwort bekommen. Dem Antwortschreiben lag gleich der Termin für die Einschreibung bei, die persönlich erfolgen mußte (Mitte Juli).
Für die Krankenversicherung benötigt man das Formular E 111 seiner Krankenversicherung oder man versichert sich hier (zu den Kosten kann ich nichts sagen).
Kosten: Die Anreise von Jena mit der Bahn ist kein Problem. Man fährt ungefähr 6 Stunden und bezahlt ohne Bahncard ca. 140 Euro zuschlagsfrei. Wie hoch die Lebenshaltungskosten ausfallen, hängt von jedem selbst ab. Wenn man wenig ausgeht und im Wohnheim wohnt, dürfte man mit 800 Euro auskommen. Wenn man allerdings viel weggeht, schnellen die Kosten in die Höhe. Nur ein Beispiel: Eintritt in eine Disko am Wochenende (empfehlenswert "Le Collisse" in Brumat (20 Km von Stras Eintrit 24,- Euro, ein Bier, Longdrink 0,25 l 15,- Euro. Unterhalb der Woche ist der Eintritt meist kostenlos, dafür ist man aber auch meist unter sich... In der Stadt gibt es einige Bars, wo das (kleine) Bier maximal 5,- Euro kostet und man keinen Eintritt bezahlt (erwähnenswert: 3 Brasseurs, Les Aviateurs! (am besten) Salamandre, Jimmy's Bar, L'Elastique, Cafe des Anges). Auch empfehlenswert "Le Trou" - Montags Bier 0,25 10 FF. Es existiert auch ein Kneipenführer, der in jeder Buchhandlung erhältlich ist. Des weiteren ist erwähnenswert ein Brauereigasthof namens "Les trois Brasseurs". Dies ist besonders Leuten zu empfehlen, die Livemusik mögen und nicht gewillt sind, für einen halben Liter Bier mehr als 5,- Mark auszugeben.
Wer statt dessen viel lieber Kultur bevorzugt, kommt in Straßburg voll auf seine Kosten. Es gibt über 10 Theater (Eintritt 10,-), eine Nationaloper (Eintritt 10,-) und einen Musikpalast (Palais de musique et congres) - hier werden viele Opern und Spektakels aufgeführt (Eintritt ab 30,-). Außerdem gibt es einige Kinos (ab 7,50 Euro).
Immatrikulation: Wie bereits oben erwähnt erfolgt die Einschreibung bereits im Juli. Da erhält man seinen Studentenausweis und hat damit alle Formalitäten bezüglich der Uni erledigt. Wann und wo das genau stattfindet, steht im Anschreiben.
Tutorenprogramme (nur bez. IUT): Gibt es leider nicht. Da die Studiengruppe aber aus maximal 30 Studenten besteht, ist das nicht so schlimm. Hier bekommt man alles Wissenswerte mit.
Zimmersuche: Wie bereits erwähnt muß man sich selber kümmern. Ich kann empfehlen bei M. FRATANI (Jura) einen Antrag zu stellen. Der behauptet zwar für die ERASMUS-Studenten der I.U.T. nicht zuständig zu sein, hat mir aber letztendlich doch einen Platz vermittelt. Zunächst muß ein "fiche de reservation" angefordert werden, welcher bis 15. Juni beim ERASMUS-Büro eingegangen sein muß. Die E-Mail Adresse von M. Fratani: francis.fratani@urs.u-strasbg.fr
Bankkonto: Kann man problemlos und kostenlos bei der Post einrichten (Wohnungsnachweis, Studentenausweis).
Freizeitgestaltung: Hierzu hab ich im Rahmen meiner allgemeinen Ausführungen schon einiges gesagt. Aus meiner Erfahrung kann ich empfehlen, sich für Sportkurse einzuschreiben. Es gibt ein Centre Sportif an dem man Basketball, Handball, Fitneß usw. belegen kann. Wichtig ist, die Quittung von den Einschreibegebühren an der I.U.T. mitzubringen, denn darauf ist die Berechtigung für die Sportkurse vermerkt. Besonders kann ich die vielen Tanzkurse empfehlen. Hier geht man gewöhnlich alleine hin und die Paare bilden sich dort. Alle zehn Minuten wechselt man den Partner und somit lernt man in kurzer Zeit sehr viele Leute kennen.
In seiner Freizeit kann man sich auch einmal die typischen Straßburger Sehenswürdigkeiten angucken (Münster, Haus Kammerzell). Außerdem gibt es viele Museen (z.B. Musee de l'Art Moderne). Ansonsten habe ich Julia einiges an Infomaterial gegeben. Die Umgebung von Straßburg ist auch äußerst sehenswert (Rhein, Vogesen, Wälder, Baggerseen).
Das sollte an Informationen für den Start reichen. Sollten sich noch einzelne Fragen auftun per E-Mail an: mirko_kupsch@hotmail.com
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